Der kurze Weg

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MOIA

Ein Erfahrungsbericht

MOIA - Die App-gestützte Zukunft des Individualverkehrs?
MOIA Hannover

Die Vision des jüngsten innovativ Startups MOIA als Volkswagen Tochter ist klar: Bis 2025 einer der weltweit führenden Mobilitätsdienstleister sein. Mit derzeit 40 VW-T6-Multivans (bis Sommer 2018 sollen es 200 werden) bringt MOIA die 3.500 Testnutzer in Stadtgebiet von Hannover von A nach B. Ähnlich wie bei UBER wird ein Fahrer per App bestellt und kurze Zeit später wird der Fahrgast an einer von über 1.800 virtuellen Haltestellen abgeholt und zum Zielort gebracht. Das soll umweltschonend, kostengünstig und einfach sein.

Im Folgenden möchte ich meine persönlichen Erfahrungen mit diesem On-Demand-Mobilitätsangebot beschreiben und darlegen an welchen Stellen ich noch Verbesserungspotenzial sehe.

Meine erste Fahrt, nachdem ich als Tester angenommen worden bin, führt mich vom äußersten Rand des bislang überschaubaren Leistungsgebietes in den Stadtkern. Die Bestellung mit der MOIA App ist intuitiv und nach Eingabe von Start und Zielstraße führt mich die Anwendung an den ca. 150m entfernten Haltepunkt, an dem ich in 15 Minuten abgeholt werden soll. Während ich auf den Fahrer warte kann ich die aktuelle Position des Fahrzeuges in der App nachvollziehen. Fünf Minuten vor dem angegebenen Zeitpunkt werde ich abgeholt. Die Tür öffnet sich automatisch und ich kann auf einem der fünf Ledersitze platznehmen. Ein Bildschirm über dem Fahrersitz informiert über die nächste Haltestelle. Da außer mir kein weiterer Fahrgast in Wagen sitzt kann ich ablesen, dass die Innenstadt in zehn Minuten erreicht werden soll. Der Fahrer selber hat seinerseits ein festmontiertes Tablet, das Ihn neben der zu fahrenden Route, auch über die Fahrgäste informiert. Ein- und Ausstiege müssen von ihm bestätigt werden. Die Fahrtroute kann sich im Fahrtverlauf verändern um weitere Fahrgäste aufzunehmen. Solche Fahrgastinformationen werden dem Fahrer automatisch auf seinem Tablet angezeigt und in die Route einberechnet. Das User Interface macht – wie die App - einen klaren und aufgeräumten Eindruck.

In weiteren Fahrten und Gesprächen fallen mir allerdings noch einige Optimierungsmöglichkeiten dazu ein. Spätestens nach 30 Minuten im Stau wünscht man sich eine eingebaute Stauerkennung und Routenoptimierung wie man Sie von GoogleMaps kennt. Gerade MOIA hätte das Potenzial die Fahrzeuge untereinander per automatisierter Schnittstelle kommunizieren zu lassen. Das erfolgt, laut Aussage des Fahrers, bislang nicht. So könnte vermieden werden, dass mehrere MOIA Fahrzeuge nacheinander in die gleiche, baustellenbedingte Sackgasse fahren. Auf Nachfrage erfahre ich, dass keine Routenvorgabe bei Leerfahrten erfolgt, an dieser Stelle könnte ich mir vorstellen, dass in Zukunft auch dann Routenvorgaben an den Fahrer übermittelt werden. Mit den erfassten Daten sollte es möglich sein Vorhersagen über Fahrtaufkommen zu treffen und die Fahrzeuge dementsprechend strategisch zu positionieren...

Auch wenn MOIA sicherlich noch nicht ausgereift ist, sehe ich viel Potenzial in der Technologie und dem Algorithmus-gestützten Transportangebot. Mit den Worten des LINKEDIN Gründers Reid Hoffmann: „If you are not embarrassed by the first version of your product, you’ve launched too late”. In diesem Sinne werde ich die weitere Entwicklung mit Spannung beobachten und davon berichten.

Clemens Bastian

 

[1] https://www.volkswagenag.com/de/brands-and-models/moia.html